ARD Börse, Interview vom 30.11.2005.
 
Börsengang von w:o capital AG im zweiten Quartal?
Wallstreet-Online Capital hat die ersten Schritte auf dem Börsenparkett gemacht. Großaktionär André Kolbinger über die Ausschichten - und den nächsten großen Coup.
 
boerse.ARD.de // Warum ist Wallstreet-Online Capital an die Börse gegangen? Durch das Listing fließt dem Unternehmen ja kein Geld zu, da die Aktien aus ihrem Bestand verkauft werden.
 
Kolbinger // Das ist richtig. Aber mittelfristig betrachten wir den Börsengang als das richtige Mittel, um unsere Umsätze zu steigern. Wir sind bereits jetzt absolut wettbewerbsfähig. Aber wir können mehr Aufmerksamkeit gebrauchten, um noch stärker zu wachsen. Und außerdem können wir uns auf diese Weise mittelfristig noch weiteres Kapital beschaffen.
 
boerse.ARD.de // Warum haben Sie sich für ein Listing im Freiverkehr entscheiden?
 
Kolbinger // Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist im Freiverkehr einfach deutlich besser als im geregelten Markt. Wir sprechen da aus Erfahrung. Wallstreet-Online hatte ja bereits vor fünf Jahren einen Börsengang am Neuen Markt geplant und dann aber abgebrochen. Die Kosten waren enorm und haben zudem das Management zeitlich so beansprucht das kaum noch Zeit fürs operative Geschäft bestand. Deshalb haben wir uns diesmal für den wesentlich preiswerteren Freiverkehr entschieden.
 
boerse.ARD.de // Angesichts vieler dubioser Marktteilnehmer haben Sie sich aber auch für ein nicht makelloses Segment entschieden.
 
Kolbinger // Als Makel würde ich das nicht bezeichnen. Mehrere tausend Werte sind im Freiverkehr notiert, darunter auch solche Werte wie Microsoft. Aber sicherlich gibt es auch dubiose Unternehmen. Wir haben seit Jahren gezeigt, dass wir ein sauberes Geschäftsmodell haben. Wir unterstehen der Finanzaufsicht und kommunizieren unsere Zahlen. Außerdem liebäugeln wir mit dem Entry Standard und rechnen mit einem Wechsel im ersten bis zweiten Quartal nächsten Jahres.
 
boerse.ARD.de // Wie war denn der Geschäftsverlauf bisher in diesem Jahr und wie sind ihre Prognosen bis Jahresende bzw. für das nächste Jahr?
 
Kolbinger // Wir haben bis Ende August 992.000 Euro Provisionserträge erwirtschaftet.
 
 
Das Ergebnis nach Steuern lag bei 153.000 Euro, wobei das traditionell stärkste vierte Quartal ja noch fehlt. Prognosen darf ich nicht abgeben, weil sich nicht um einen klassischen Börsengang handelt. Aber bisher liegen wir gut auf Kurs. Per Ende November lag das vermittelte Fondsvolumen bei rund 27,7 Millionen Euro, gut die Hälfte waren geschlossene Fonds. Damit haben wir schon jetzt mehr als das Vierfache des gesamten vergangenen Jahres erreicht, als der Fondsabsatz bei 6,2 Millionen Euro lag.
 
boerse.ARD.de // Wie beurteilen Sie denn generell die Aussichten für Wallstreet-Online Capital und die gesamte Branche?
 
Kolbinger // Wir profitieren von zwei Trends. Zum einen steigt der Fondsabsatz weiter, weil die Anleger für ihre private Altersvorsorge zunehmend Sparpläne abschließen. Als Internetanbieter sollten wir davon überproportional profitieren, weil wir diese Produkte wesentlich preiswerter verkaufen als die klassische Hausbank. Insgesamt ist noch viel Geld da, das irgendwie angelegt werden muss. Neben den Neuanlagen profitieren wir zusätzlich von den Umverteilungen, weil immer mehr Anleger ihrer Hausbank wegen der Kosten den Rücken kehren.
 
boerse.ARD.de // Es gibt aber eine Reihe von Wettbewerbern, die ein ähnliches Modell haben wie Sie. Fonds können auch über Discountbroker oder direkt über die Börse geordert werden. Wie wollen sie in dem harten Wettbewerb bestehen?
 
Kolbinger // Auch bei der Börse gibt es einen Spread von mindestens einem Prozent. Onlinebroker bieten eine viel kleinere Produktpalette als wir, bei vielen sind es nur rund 1000 Fonds mit 100 Prozent Rabatt auf das Agio. Bei den freien Vermittlern gibt es einige, die auch mit 100 Prozent Agio-Nachlass arbeiten, aber bei ihnen gibt es den meist nur auf die Investmentfonds. Wir sehen im Moment, dass wir im Markt mit unserem Geschäftmodell sehr gut bestehen können. Wir haben unseren Absatz mehr als verdreifachen können ohne große Werbung - einfach aus dem organischen Wachstum heraus.
 
boerse.ARD.de // Ist das Listing von Wallstreet-Online Capital ein Testballon für die "große" W:O-Emission?
 
Kolbinger // Einen Testballon kann man es nicht nennen. Aber es gibt in der Tat erste Überlegungen für einen Börsengang der Wallstreet-Online AG. Ein Börsengang könnte aber frühestens im zweiten Quartal nächsten Jahres stattfinden.